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Eine Geschichte über Mut, Gefahr und ein Wunder
Im Jahr 1986 stand in Gartz die feierliche Aufsetzung einer Turmbekrönung an. Die Montage war für 14 Uhr geplant, am Morgen sollte alles angeliefert werden. Die PGH-Bau brachte die Bekrönung mit einem großen LKW und Anhänger – ein schweres Stück Handarbeit aus unserer Kunstschmiede, das mit dem Kran verladen wurde. Wilfried Schwuchow fuhr mit seinem Auto hinterher.
Schon gegen 11 Uhr war alles vor Ort.
Die Kirche wurde damals mit Mitteln des Gustav-Adolf-Hilfswerks gefördert – vergleichbar mit heutigen Förderprogrammen. Entsprechend groß war das Interesse. Zur geplanten Einweihung wurden rund 6000 Menschen erwartet.
Doch schon vor Beginn gab es Spannungen.
Die Staatssicherheit wollte Wilfried dazu drängen, die Bekrönung bereits Stunden vor der offiziellen Feier aufzusetzen. Wenn alles schon fertig gewesen wäre, hätte der große Moment gefehlt. Er blieb standhaft. Die Menschen sollten genau diesen Augenblick miterleben.
Kurz darauf begann der Ärger.
Dem LKW-Fahrer wurde ein falscher Weg gezeigt. Statt über die Straße musste er durch Bäume fahren. Dabei wurde das Blattgold beschädigt. Zum Glück hatte Wilfried – wie so oft – Anlegeöl und Blattgold dabei und konnte die Kratzer noch vor Ort nachvergolden.
Montage unter schwierigsten Bedingungen
Der Kran stand ungünstig direkt am Giebel. Der Fahrer konnte die Turmspitze nicht sehen. Deshalb musste Wilfried ihn über Funk anleiten – oben am Turm, während der Kranfahrer unten stand.
Doch auch dieses Funkgerät wurde ihm abgenommen.
Die Staatssicherheit begründete das damit, dass darüber politische Botschaften verbreitet werden könnten. Stattdessen stand ein Mitarbeiter einige Meter tiefer und gab die Anweisungen weiter. Jede Bewegung verzögerte sich, jede Reaktion kam zu spät. Für eine präzise Montage war das denkbar schlecht.
Die Bekrönung selbst war gewaltig – rund acht Meter hoch und 3/4 Tonne schwer. Mit Leiter und Werkzeug hing Wilfried oben am Turm und versuchte, sie in das vorbereitete Loch einzuführen. Es passte nur knapp.
Als das Werkstück etwa sechs Zentimeter im Turm saß, verkantete es sich.
Er rief sofort: „Stopp!“
Doch durch die Verzögerung kam das Signal zu spät.
Die schwere Konstruktion hing plötzlich nur noch an wenigen Zentimetern Halt. Unter ihr standen tausende Menschen.
Dann geschah etwas, das niemand für möglich gehalten hätte.
Der Kranhaken löste sich.
Später stellte sich heraus: Die Sicherung, die verhindert, dass das Seil herausrutscht, war nicht mehr vorhanden. Technisch hätte so etwas eigentlich unmöglich sein dürfen.
Die Bekrönung hing plötzlich frei.
Wäre sie gefallen, hätte sie Menschen erschlagen und den Turm schwer beschädigt.
Wilfried konnte sie kaum noch steuern. Alles war Stahl auf Stahl, jede Bewegung riskant. Er hielt nur noch die Richtung – genau über dem Loch im Turm.
Und dann geschah etwas, das bis heute wie ein Wunder erscheint:
Die schwere Konstruktion rutschte tatsächlich aus dem Haken.
Aber sie fiel exakt in das Loch.
Ein gewaltiger Knall. Die Bekrönung saß fest.
Ein paar Zentimeter daneben – und sie wäre auf die Menschen gestürzt.
Unten standen rund 6000 Besucher. Alle hatten es gesehen. Alle hatten den Atem angehalten.
Der Moment danach
Die Bekrönung ließ sich an diesem Tag nicht mehr perfekt ausrichten. Sie war durch den harten Einschlag leicht schief und fest verkeilt. Die Feier wurde trotzdem fortgesetzt.
Während des Gottesdienstes geschah etwas Besonderes.
Der Bischof stand aus seinem blauen Samtstuhl auf, holte Wilfried nach vorne und bestand darauf, dass er daurauf Platz nimmt. Wilfried wollte zunächst ablehnen – die Arbeit war schließlich noch nicht beendet. Doch der Bischof blieb dabei.
Spontan sprach Wilfried ein paar Worte. Er erzählte, dass an diesem Tag wohl jemand seine Hand über alle gehalten hatte. Dass es ein Wunder gewesen sei, dass niemand zu Schaden kam.
Und etwas geschah, das in einer Kirche selten vorkommt:
Die Menschen klatschten.
Die Arbeit danach
Durch den harten Einschlag stand die Bekrönung zunächst leicht schief. In den folgenden Tagen arbeitete Wilfried weiter oben am Turm. Mit viel Geduld schweißte er mehrere Eisen an, ließ das Material dadurch schrumpfen, um die Konstruktion Stück für Stück zu richten.
Tagelang.
Am Ende saß sie wieder gerade und sicher – so, wie sie gedacht war.
Viele, die damals dabei waren, erinnern sich noch heute an diesen Tag. Der Kranfahrer, die Helfer, die Menschen unten auf dem Platz.
Und auch in unserer Kunstschmiede ist diese Geschichte bis heute lebendig.
Denn eines ist klar:
Wäre die Bekrönung nur ein kleines Stück daneben gefallen, hätte dieser Tag ein ganz anderes Ende genommen.
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